Tag #02 (XXXL) _ Murias de Rechivaldo – Foncebaddón

Auf dem gut zu laufenden Feldweg nach El Ganso, ging auch langsam die Sonne auf und es lief sich sehr angenehm bei der kühlen Morgenluft, während wir uns alle ein wenig näher kennen lernten.

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Unmittelbar am Ortseingang, machten wir es uns auch direkt in einem Café, welches zu einer sehr schön mediteranen Albergue gehört gemütlich, um ein erstes kleines Frühstück zu uns zu nehmen, bei welchem mein bereits jetzt schon standarisierter Café con Leché natürlich nicht fehlen durfte. Nicht lange und wir bekommen auch schon Gesellschaft..Eine streunende Katze, mit strahlend hell blauen Augen, wie ein Kristall..wow…

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Nach erster kleiner Stärkung (eher Snacks, 2 Bananen und ein Café) machten wir uns dann auch wieder weiter Richtung Rabanal del Camino.  Erst einmal weiter durch das schöne kleine Dorf, gibt es kurz vor dem Ortsausgang noch ein besichtigungswürdiges „Objekt“, die u.a. aus dem Pilgerführer bekannte Cowboy Bar Mesón Cowboy. Ziemlich kitschig und Klischee behaftet, aber nett anzuschauen. Überall an Wänden und unter Decke hängende Repliken aus der Cowboy Zeit ..

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Da es noch einige Meter zur nächsten Ortschaft sind und ich nicht weiter gehen wollte, ohne einmal dort drin gewesen zu sein, saßen wir auch schon unverzüglich im inneren und nach einer kurzen Begehung des Banjós , genehmigte ich mir ein überteuertes Eis und spendierte meinen drei Mitreisenden noch ein Eis und zwei Wasser.

Endgültig raus aus El Ganso verläuft der Weg großteils auf gut asphaltierten Straßen, sehr weitläufig mit weitem Sichtfeld auf die ebene, trockene Landschaft, ein tolles Gefühl der Freiheit macht sich breit.

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Obwohl wir zu dritt gehen, laufen wir eine ganze Weile schweigend nebeneinander her, einfach weil diese Etappe wieder viel Möglichkeit zum Nachdenken bietet, wundervoll. Am Ende der Straße, steht auf einmal rechts am Rand, ein älterer Mann aus UK mit seinem privaten kleinen Erste Hilfe Wagen und versorgt und berät vorbeikommende Pilger, auf Ebene der Nächstenliebe.! Unter anderem umfasst sein Auto Wasser, alles um die erste Hilfe, Werkzeuge, Flickzeug und andere kleine Helferlein..

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Wir unterhalten uns eine Weile und als ich ihm von meiner letzten schlafarmen Nacht bezüglich der Motorsäge (schnarchen) erzählte und dass mein Rucksack bereits jetzt Müdigkeitserscheinungen an wichtigen Nähten aufweist, kramt er kurzerhand ein paar Ohrstöpsel und ein paar stramme Hakenseile aus einem Auto und bittet mich, ihm dafür nichts zu geben…

 

Im weiteren Verlauf dieser Straße, führt neben dem Asphaltierten Stück, rechts nebenher noch ein etwas höher gelegener schmaler Schotterpfad, welcher auch ziemlich bekannt (u.a. aus dem Film mit Hape Kerkeling) und gern begehen sein dürfte. Hier reiht sich über ca. 150-200m ein Gitterzaun, in dem Pilger aus aller Welt ihre eigenst kreierten Kreuze aus den unterschiedlichsten Materialien eingearbeitet haben, was halt gerade zur Hand war, ein schöner Anblick, der aber wieder einmal sehr zum nachdenken anregt und so lasse ich mich ein Stück zurückfallen, um diesen Moment ganz für mich zu haben.

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Wieder einige Km weiter durch die mittlerweile gut Arbeitende Spanische Sonne, mitten an einer Straßenabzweigung einer Straße, die unmittelbar in Rabanal Viejo endet, machen wir halt an einer schönen Art Fernfahrer Kneipe, an der einige Schäfer -und Bernhardiner Hunde „wachen“, wobei sie einen verdammt müden Eindruck machen. Hier holten wir dann unser „Frühstück“ nach und das nicht zu knapp 🙂

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Ein leckeres XXL Baguette mit spanischer Salami und natürlich ein Café con Leché .

Gut gestärkt und motiviert (wobei es hier nicht sehr schwer ist, sich zu motivieren), machen wir und weiter, durch endlos lange, auch langsichtige Straßen in das nächste kleine Dorf von Rabanal del Camino.

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Rabanal del Camino

IMG_0634 Hier gibt es nichts besonderes zu sehen, außer mann erfreut sich wie ich, einfach an der Landschaft und den Häuser Bauten. In Mitte des Dorfes, kurz vor einer Kirche steht ein Herrenloser Tisch, an dem mann sich selbstständig einen Stempel in seine Credential geben kann und bei Interesse eine selbstgeschnitze mini Axt oder ebenfalls selbstgemachte Armbänder oder Ketten nehmen kann und eine Spende hinterlässt.

Als wir auch diesen Ort hinter uns lassen, wird und durch einen Blick ins Buch und auf die Höhenmeter Tabelle klar, das uns nun der schwerste Teil der Tagesetappe bevorsteht. Der Aufstieg nach Fonceboddón.                                                                                                                   Ein Anstieg von etwas über 200 Höhenmetern steht bevor und zwar gnadenlos steil und holprig.

Auch wenn wir den ersten Teil noch recht solide zusammen laufen, merke ich deutlich, das Schritt für Schritt meine Knie, Fußgelenke und mein Rücken sich mit Schmerz und Verspannung füllen und ich mich von meinen Freunden immer mehr zurückfallen lassen muss, da es für mich keinen Sinn macht, aus falscher Stärke heraus mithalten zu wollen. In dem Glauben/dem Gedanken, das wir uns sowieso in Foncebaddón wiedersehen würden, verabschiedeten wir uns (leider) nicht, sondern ließen den Abstand immer mehr wachsen, bis wir uns aus den Augen verloren.

Ich denke die folgenden Bilder, zeigen am besten, wie Steil und Gnadenlos dieser Aufstieg ist/war.                                                                 (auch wenn mann auf dem Bild niemals die ganze Härte festhalten kann, glaubt mir, es ist heftig).

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Aber auch hier, wird man nicht allein gelassen, zumindest Mental wird mann immer wieder gestärkt, u.a. durch kleine Botschaften anderer Pilger, die genau das gleiche durchmachen.!

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Love Camino !
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Never Give Up !!!

Nach für mich unglaublich harten und tränen forcierenden 6 Km durch diese steile Latrinen Hölle, habe ich mich mit wirklich letzter Kraft, in die letzte kleine Ortschaft, vor dem Sagenumworbenen Cruz del Ferró geschleppt.               Fonceboddón

Ein paar schöne Bilder beschreiben denke ich am besten, den Rest des Abends/Tages.  Ich habe noch eine schöne Albergue gefunden, habe fast neben Hunden und Ziegen geschlafen, hatte eine grandiose Aussicht von einer Ruine und habe wieder einmal meine Füße versorgt…

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Ortseingang „Foncebaddón“
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Sauberer Schlafsaal in einer Nebenscheune

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Am nächsten Tag wird es Unfassbar schön, aber auch schlimmer als alles, was ich meinem Körper je aussetzen musste..!

 

 

2 Gedanken zu „Tag #02 (XXXL) _ Murias de Rechivaldo – Foncebaddón“

  1. Das sieht alles sehr toll aus und man versteht warum so viele Menschen diesen Weg gehen. Ich drücke Dir die Daumen das Schmerzen bald der Vergangenheit angehören und Du einfach nur noch genießen kannst ! In Gedanken bin ich jeden Tag bei Dir! Liebe Grüße Dein Onkel Bernd.

    1. Danke mein Freund, für dieses Herzliche Kommentar. Der Schmerz ist vergänglich, die schönen Erinnerungen jedoch bleiben für immer.! Die Magie des Weges, habe ich bereits nach dem ersten Tag verstanden, oder zumindest zu spüren bekommen. Liebe Grüße zurück nach Deutschland !!!

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