Tag #03 (XXXL) _ Fonceboddón – Cruz del ferró – Molinaseca

Der nächste Morgen bricht ein und die selbstgemachte Salbe vom Herbergen Pedro zeigt Gott sei Dank seine Wirkung, setzt die schmerzen annehmbar herunter und bevor in meinem Schlafsaal um 7:30 , die auf Spendenbasierte Yogastunde anfängt, bin ich bereits um 6:00 Uhr wieder startbereit, ergänze meine Ausrüstung noch schnell um 1,5 Liter Wasser vom Store nebenan und ziehe los Richtung Gipfel des Cruz del Ferró.   Noch schnell ein paar Schnappschüsse in der Morgendämmerung schießen…

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Die ersten 100m sind noch recht angenehm, die frische Morgenluft, kombiniert mit der Spannung und der dadurch entwickelten Energie, geben den Antrieb.  Nach dem ersten drittel wird es stetig steiler und der Weg teilweise zunehmend schottriger und somit deutlich intensiver. Doch an dem Ende des „Tunnel´s“ ist Licht…Und was für eins !!!

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Als ich von weitem das Kreuz und die vielen davor zusammen gefundenen Menschen sehe, ändert sich schlagartig meine Verfassung ins ungewisse, meine Stimmung bzw. meine Emotionen werden stetig unkontrollierbarer und als ich  unmittelbar davor stehe, gebe ich mich einfach hin. Ich habe ein paar wundervolle Aufnahmen machen können, jedoch wird ein Außenstehender niemals annähernd den Umfang der Bedeutung und sich dort zutragenden Emotionen verstehen können, dennoch möchte ich hier gerne einige grandiose Bilder teilen, da ich den „Moment“ wie er mir am besten erschien, sehr gut einfangen konnte…

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Kurz nach dem Sonnenaufgang, entstand noch diese schöne Panorama Foto…

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Auf dem folgenden Metern befinde ich mich noch sehr lange in meinem Denkprozess und genieße den Weg und alles drumherum, so dass auch die Schmerzen für eine Weile wie „vergessen“ sind, zumindest bilde ich es mir ein..

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Noch bevor es auf den „Höllenpfad“ geht, kommt mann unweigerlich an der ebenfalls sehr (aus Büchern etc.) bekannten , privaten „Albergue“ von einem in meinen Augen sehr merkwürdigem, verrückten Typen, der dort die Bude mit seinen alten Hunden schmeißt vorbei. Ebenso wie die im Tag #02 beschriebene Cowboy Bar, sehr fancie und eigen.. Schilder in Richtungen der Jabobswege aus jeglichen Ecken, zieren die Ecke, direkt an dem Straßenbogen und sind wohl auch das deutlichste Erkennungsmerkmal dieses „Platzes“.   Dennoch, oder auch gerade deswegen habe ich mir natürlich nicht die Gelegenheit der Schnappschüsse und Selfies nehmen lassen.

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Sofort nach dem ich meine Aufnahmen im Kasten hatte, machte ich mich auch wieder weiter, an einem Gespräch mit dem seltsamen Hausherren oder der gleichen, hatte ich kein Interesse.

Eine knappe halbe Std. Fußweg (mein Tempo) weiter, beginnt nochmal ein Aufstieg von weiteren 180 Höhenmetern, bevor es gnadenlos steil, steinig, holprig und rutschig nach unten geht.

Eine klare und wichtige Warnung an alle, die diesen Teil noch vorhaben zu gehen und noch keine Erfahrung haben sollten:     „Wenn ihr an akuten Bein und- oder Knie Problemen leiden solltet, oder diese sich auf dem Weg hierhin zugetragen haben sollten, begeht diesen Teil nicht, oder erst, wenn ihr vollständig über 2-3 Tage regeneriert seid.!“  Denn ihr werdet, ob ihr wollt oder nicht immer einmal wieder die Kontrolle über euer Auftreten verlieren, gerade bei steilen oder schrägen Abschnitten und die Wahrscheinlichkeit, dass ihr, solltet ihr keine Wander Stöcke (sprich zwei.!) haben, vorne über fallt, oder einknickt und umfallt, ist sehr sehr groß.

Ein paar bildliche Impressionen, des nochmaligen auf- und wieder Abstieges, die natürlich wieder einmal nicht die volle härte darstellen können…

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Zur noch besseren Veranschaulichung häng ich auch nochmal ein kleines Video an..

Als ich endlich nach 11 Km !!!  und ich habe keine Ahnung, wie ich das genau gemacht habe, unter Schweiß, Tränen und noch mehr Tränen, den kleinen Ort El Acebó erreicht habe, war ich mir eigentlich sicher, hier bis zum nächsten Tag zu verbleiben.

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Ich setze mich erst einmal direkt in die erste Bar, rechts auf die Terrasse, werfe meinen Rucksack ab, humpele an die Theke, bestelle mir ein „Baguette Grandé mit Schinken und Käse, einen Café con Leché “ und stempele eigenst meine Credential ab.

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Ein wirklich leckeres und sättigendes Baguette XXL und natürch Café con Leché

Extrem gut gesättigt, etwas erholt und meine Beine + Knie mit Creme versorgt, muss mich der Teufel reiten..  Ich beschließe mich tatsächlich, weiter zu laufen, selbst mit der Information, dass kurz vor meinem ankommen, eine Junge Frau auf gleichem Wege gestürzt ist und schwer verletzt ins Krankenhaus musste !

Unmittelbar, am Ende des Dorfes, führt ein extrem steiler, schmaler und mit glatten Latrinen Pfad in den Wald unterhalb des Dorfes gelegen..

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Viiiiiel steiler und steiniger, als es das Bild wiedergeben kann !!!

Von hier an, sind es weitere 8,5 Km ! durch  das heftigsteBerg und , das steilste Tal, mit einer Mischung aus Erdkuhlen, Löchern, riesen Latrinen, Sand und erst ca. 300 Meter vor Molinaseca, erkennt oder erspäht man diese auch.!  Deprimierend und verzweifelnd zu gleich. Ich möchte diesen Blog wirklich nicht nur mit schmerzlichen negativ Erlebnissen versehen, aber ich denke, das gehört dazu,ist Authentisch und kann den ein oder anderen vor eventuellen Dummheiten und Fehlern bewahren..?!                                                         Erst 50m vorm Ortseingang, überholte mich noch ein Mitte 20 jähriger Bosnier, er bleibt nachdem er wohl erkannt hat, das ich dem „Ende“ nahe bin, ein paar Meter vor mir stehen, dreht sich um und bietet mir an, seinen deutlich leichteren Rucksack gegen meinen zu tauschen und mir zusätzlich seine Walkingsticks zu überlassen.!  Wieder einmal ein Paradebeispiel für die Magischen Seiten des Camino.. Ich lehne dennoch falschen Stolzes ab und wir laufen zusammen dem Ortseingang entgegen..

In Molinaseca angekommen lasse ich es mir unter all den Schmerzen irgendwie nicht nehmen, erst einmal ein paar schöne Bilder der Stadt und deren Symbolträchtigen Brücke zu machen, die über einen wahnsinnig schönen Fluss führt, in dem nicht allzu wenige Menschen schwimmen.

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Nun gibt es nur noch einen Gedanken, wo bekomme ich  noch ein bezahlbares Zimmer in einem Motel.? Ich laufe noch etwas umher, frage mich durch und ergattere schließlich noch ein schönes, sauberes EZ im Motel „The Way“ . Dieses gehört einem ex-Pilger, der den Camino, laut eigener Aussage in seiner Vergangenheit insgesamt 26 mal gelaufen ist und unter anderem aus Hilfe zu den Pilgern dieses Motel eröffnet hat, was sich stylistisch auch stark an diesen orientiert. Aus gesundheitlichen Gründen, musste er such leider dem Camino entziehen..

The Way

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Überaus zuvorkommend und wieder einmal nur auf Basis der Nächstenliebe, versorgt er mich auf dem Bett liegend mit Eis Pads und erkundigt sich immer mal wieder, ob ich etwas brauche etc…

Hier versorge und entspanne ich mich nun den restlichen Tag und hoffe daraufhin, am nächsten Tag, zumindest einigermaßen weiter laufen zu können….

3 Gedanken zu „Tag #03 (XXXL) _ Fonceboddón – Cruz del ferró – Molinaseca“

  1. Ja hallo mein jung ich habe die Bilder gesehen und die Kommentar die du geschrieben hast ich kann wieder nur sagen dass sich hier stolz auf dich bin und freue mich schon freue mich auf dich wenn du hier bist und wir uns austauschen können dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag und bis später ich habe dich lieb

  2. Hallo Sascha. Da ich 2015 den camino das 2. Mal gelaufen bin und wusste wie besch… Der Weg ist bin ich bis El Acebo die Strasse gegangen war bedeutend einfacher. Dies auf Anraten eines Pilgers der schon seit 8 Jahren auf diesen Wegen unterwegs ist. Und nächstes Mal gehe ich auch von El Acebo die Strasse weiter. Man muss nicht unbedingt alle Schmerzen auf sich nehmen …..die genügen so auch!!!!
    Übrigens ich hab auch im „The Way“ übernachtet. Nach der Übernachtung in Foncebadon Luxus pur!!!

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