Tag #09 _ Portomarin – Gonzar

Der Morgen beginnt mit den üblichen Prozedere nur mit diesmaliger Möglichkeit, mir vor dem Aufbruch noch einen leckeren Café vom Hauseigenen Automaten zu genehmigen. Diesen gönne ich mir in aller Ruhe am Brunnen, an dem ich Tags zuvor bereits meine müden Füße kühlen durfte 🙂                                                                           Herrlich..Ein Café, Dunkelheit mit leichtem Scheinwerferlicht und diese super angenehme, frische Morgenluft bei 16 Grad..!

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Die ersten Kilometer sind wieder eine einzige (Körperliche) Qual, da sich die Wunden Füße und die Kniegelenke trotz morgendlicher dehn-Routine erst einmal warm/einlaufen müssen.                         Jedoch hindert diese Tatsache nichts daran, das die Landschaft, teils eingetaucht in dichten Nebelwänden, wieder einmal nichts als ein Cinematischer Traum ist..                                                                                          Ich denke mal, das nicht jeder meine Ansicht beim betrachten dieser Bilder nachvollziehen kann. In Deutschland währe dieser Anblick wahrscheinlich das fast schon alltäglich verregnete „Schmuddelwetter“  ..Jedoch wenn man täglich Temperaturen von über 30 Grad, bei Wolkenlosen Himmel „ausgesetzt“ ist, wirken diese morgendlichen Begebenheiten wie einer Art Parallelwelt gleich..!

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Wie es der Zufall des Weges so will, treffe ich bei kleiner Pause an obigen Wasserbecken, meine Koreanischen Freunde wieder.. Ich freue mich total, allerdings ohne wirklichen überraschung´s Effekt, da es auf den letzten Tagesetappen schon fast zur Normalität geworden ist, alten Weggefährten wieder zu begegnen. Eine herzliche Begrüßung und eine Umarmung mit ihrem Vater ist Standart, so viel Zeit muss sein 🙂 . Bei den üblichen Smalltalks und Blödeleien, laufen wir selbstredend zusammen weiter, vorbei an teils wieder sehr schönen und durchaus Bild würdigen Kulissen .

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Klar…Als wenn ich jetzt Aufgeben würde  !

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Mann sollte nicht immer auf den „Weg“ hören !!!

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Der Nebel lichtet sich und sie Sonne entfaltet schon bald ihre volle Kraft und Schönheit. Meinen Blessuren geschuldet, dauert es nun auch nicht mehr lange, bis sich der Abstand zu meinen Freunden so  vergrößert, das wir uns komplett aus den Augen verlieren. Dies gibt mir jedoch die Möglichkeit, mich wieder einzig auf mich, meine Gedanken und meinen Körper zu konzentrieren. So pendele ich mein Tempo auf ein erträgliches Maß ein und setzte den Camino „vorerst“ alleine fort.

Meine nächste Begleitung lässt allerdings nicht lange auf sich warten..  Als ich den schmucklosen, jedoch sehr Symbolträchtigen Meilenstein passiere, der die letzten, glatten 100Km aufzeigt, treffe ich dort einen jungen Deutschen Mann, den ich zuvor nur flüchtig in einer Bar kennen gelernt habe.

Nur noch 100Km !IMG_1377

Seinem Äußeren geschuldet, nenne ich den Kollegen fortan nur noch „Viking“ , denn er sieht meines Erachtens aus, wie ein echter Vikinger.

Und wieder bieten sich viele schöne Panoramen um die Kamera zum Einsatz zu bringen. Heute mal ein etwas Bild lastiger Beitrag, hoffe es geht in Ordnung 😉

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Ca 17Km nach Tagesaufbruch durchquere ich das letzte kleine Dorf Vilacha, bevor die schöne Landschaft und deren mit tollen Steinmauern verzierten Wege, den ersten Blick auf das verwunschene Portomarin frei geben.

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Portomarin (das Neue), die sogenannte „versunkene Stadt“, da das alte Porto in den 60er Jahren komplett im Wasser des Stausees versank ! Hier kann man tatsächlich, je nach dem auf welchen Teil dieses Riesen See´s/Flusses man schaut, nochTeilstücke und herausragende , Schilder, Ruinen und Hausdächer erspähen, die von einer früheren Überflutung der Stadt übrig geblieben sind, zumindest sichtbar.

Für mich ist Portomarin einer der Highlights auf dem Camino , von der Geschichte, über das grandiose Panorama mit diesem mächtigem Fluß um die komplette Stadt, bis hin zum Innenteil selbst, der sogar vergleichsweise recht modern wirkt.

Allein dieser steile Latrinen artige  Weg, der schon für Fuß Pilger eine kleine Herausforderung darstellt und ich habe weiter vor mir Paare mit Kinderwagen gesehen, wobei ich mich Frage, wie diese es heil nach unten geschafft haben, bis hin über die gigantische Brücke, die zum Festland führt, ist echt ein Erlebnis und Augenschmaus für sich. Mit Hilfe meines Vikinger Kollegen, sind mir wieder einmal ein paar schöne Aufnahmen gelungen, die denke ich sehr schön das geschriebene widerlegen können !?

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Eigentlich war unser beider Ziel, heute hier zu verbleiben, zumindest mein Kollege „muss“ bleiben, da er noch auf zurückliegende Freunde wartet , mit denen er bereits am Morgen eine Albergue reserviert hat. Schön, zumindest einer in trockenen Tüchern. Meine Füße würden auch liebend gern hier bleiben, jedoch ist es mir wieder einmal nicht möglich, noch einen freien Schlafplatz zu ergattern, außer in einem 2 Sterne Hotel, welches direkt an einem Hang am Rande Portos liegt und einen traumhaften Blick und Luxus bietet, jedoch zu einem gerade für Pilger schweißtreibenden Preis von 65€ für ein EZ !  NO WAY !

Also bleibt mir wieder nichts anderes übrig, als meinen Weg fort zu setzen.

Der Weg aus Portomarin führt über ein kleines geschlängeltes Stück Hauptstraße und wieder über eine schöne, jedoch kleinere Brücke, die direkt in einem neuen Waldabschnitt endet, in dem es erst einmal wieder steil Bergauf geht..Puuuh                                                     Als es wieder flacher wird, wechselt der Wald wieder in den für mich verwunschenen Parallelwelt Modus, der mit traumhaft dichten Eukalyptus Bäumen und spirituellen Holzkreuzen aufwartet an dem Pilger teils persönliche Gegenstände oder auch nur kleine Nachrichten hinterlassen. Dieses Stück nimmt mir durch seinen Zauber einen Teil meiner Last und des Schmerzes ab, den ich gerade trage, wenn ich auch nur nicht mehr dazu komme, daran zu denken.

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Anschließend weiter auf offenen Feldern und teils roterdigem Industrie/Fabrik Gebiet, wird es streckenweise sehr schwierig, die passenden Wegweiser ausfindig zu machen, oder auch die Pfeile richtig zu deuten, so dass ich mich tatsächlich auch einmal verlaufe, was mich Zeitlich vielleicht nur knappe 20 Minuten, jedoch Mental und physisch enorm viel Kraft kostet, nach diesem Tagesmarsch.

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Ich würde es nicht einmal Vorort oder überhaupt Dorf nennen, eher drei Häuser mit Bar in der Mitte. Auf jeden Fall ließ ich mich hier kurz nieder, um mir für den weiteren Weg eine große, eiskalte Flasche Wasser zu holen und für die kurze rast eine erfrischende Cola light mit Eis.

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Auf der letzten Etappe des Tages lag meine Aufmerksamkeit nur noch, eine Unterkunft mit Bett, Dusche und ordentlichem Abendessen zu finden, so das ich bis zu dieser, keine Fotos mehr aufgenommen habe. Hier habe ich mir dennoch meinen internen Spaß erlaubt, und nach dem Vorbild aus Hape Kerkelings Buch, dem Universum meinen Wunsch mitzuteilen. (Dies verstehen wahrscheinlich nur Leser des besagten Buches)

In einem winzigen Ort, eher einer kleinen Wohnstraße gleich, sehe ich dann endlich ein Schild mit dem Verweis auf eine schöne Pension mit EZ und anscheinend reichhaltiger Speise Möglichkeit. Das ist mein Laden denke ich und mache mich schnurstracks durch das große Eisentor in die Pension und an die Theke.  Mit leichten verständigungs Problemen ist es mir endlich möglich, ein halbwegs ordentliches EZ mit eigener Dusche für einen halbwegs bezahlbaren Kurs zu buchen.                                                                                                               Ich zahle Bar, nehme den Schlüssel entgegen und ziehe mich mit Eiswürfeln in Frischhaltefolie gepackt und einem Cornetto Eis in mein Zimmer zurück.

Das Zimmer ist recht klein, wirkt fast winzig, jedoch ist es sauber und hat eine eigene Dusche und ausreichend viele Strom Anschlüsse, sogar erstmalig im Bad selbst. Ich zeihe meine Klamotten aus, gönne mir mein Eis und versorge mich anschließend erst einmal wie gewohnt mit einer Dusche, Eiswürfeln für meine Knie, säubern und tapen meiner Füße und bereite den Laptop vor, für einen neuen Blog Beitrag.

Mein Abendessen, zu welchem ich leider erst um 19:00 komme, (früher wird nicht gekocht) besteht aus einem leckeren Tomaten Salat, zwei Cola light und einem großen Käse-Schinken Omelett , welches ich irgendwie leider nicht fotografiert habe. Alles für knapp 14 wie ich finde teure €uro .

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Mit vollem Magen setze ich mich noch ca. 2,5 Std an meinen Blog und versinke gegen Mitternacht ins wohlverdiente Land der Träume.. Langsam geht es auf das Ende meiner Reise zu .!

Gute Nacht  🙂

 

 

3 Gedanken zu „Tag #09 _ Portomarin – Gonzar“

  1. Bei mir war der 100km Stein noch voll geschrieben. Das scheint ein neuer Stein zu sein. Wenn ich das mit deinen Problemen bzgl. überfüllter Herbergen lese, bin ich froh das ich im Oktober 2014 gelaufen bin.

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