Tag #10 _ San Silvestre (Barbadelo) – Melide

Vorwort:  An diesem Tag fallen meine Foto Aufnahmen sehr gering aus, da ich meiner Füße geschuldet, viel Aufmerksamkeit auf eine sichere und korrekte Laufweise mit meinen Walking Stick´s lege und jedes Foto voraussetzt, die Stöcke abzulegen und das Handy aus der Tasche zu zücken. Dafür ist der Textliche Teil etwas ausgeprägter und bietet hoffentlich einigermaßen Ausgleich.!   Danke  🙂    

Am Morgen komme ich mental gut aus dem Bett, jedoch das erste Auftreten verrät mir, das der Etappenstart inkl. der ersten Kilometer wieder durchaus Qualvoll beginnen wird, da alle Stellen, die mit Blasen versehen sind, oder waren nicht nur angeschwollen sind, sich zudem auch noch teilweise ordentlich entzündet anfühlen.

Ich komme gerade mit dem rechten Fuß kaum in die Schuhe rein, schaffe es aber mit zusammen gebissenen Zähnen und ein wenig groben rütteln dennoch. Eigentlich wollte ich mir, da es gerade zeitlich passte, noch einen schnellen Café an der Hauseigenen Bar gönnen, bevor es losgeht, jedoch war bereits um 6:30 so viel los, da nicht nur Gäste des Hotels, sondern zusätzlich Pilger aus umliegenden Alberguen hergefunden hatten.

Also ohne „externen Turbo“ raus in die angenehme Galizische Morgenluft und erstmals seit Anbeginn meiner Reise verspürte ich das verlangen, mir meine Kopfhörer einzuklinken und mir über Audible (das ist eine Hörbuch App) etwas in die Ohren säuseln zu lassen. Ich denke u.a. um meine Gedanken so gut wie möglich vom Schmerz zu lösen, da diese „Technik“ bislang, wenn oft auch unbewusst sehr gut in Kombination mit Menschlicher Begleitung funktioniert hat. Ihr lauft zusammen, konzentriert euch teilweise auf komplett andere Dinge, auch bezüglich der Umgebung und wenn ihr in einer Unterhaltung oder oftmals tiefsinnigen Gesprächen steckt, sind die Schmerzen einfach nicht, bis unterschwellig nicht vorhanden.. Bis ihr sie euch wieder ins Gedächtnis ruft, oder euch jemand Interesse halber fragt „wie geht´s den Füßen ?“ und ihr euer Gehirn quasi dazu zwingen müsst, zwecks geforderter Antwort darüber nachzudenken.

Es schien zu funktionieren, wenn auch nur stark begrenzt, da gerade meine Füße mittlerweile ein Stadium erreicht haben, in dem zumindest in Deutschland (nur ein Beispiel, da mein Herkunftsland)  aus medizinischer Sicht „niemand“ mehr freiwillig einen „Fuß“ vor die Türe, geschweige denn zur Arbeit setzen würde, wenn nicht sein Leben davon abhinge, um es einmal sehr hyperbel auszudrücken.

Beim Einmarsch in das kleine Örtchen Airexe, welches auch die ein oder andere Albergue und Bar beinhaltet, entschied ich mich,          5.6 Km nach Etappenstart mein Frühstück in einer Bar mir großzügigem Außenbereich nachzuholen, gerade weil hier seltsamerweise niemand sitzt und es einfach einen ruhigen Eindruck macht.                                                                                                                                      Es gibt zwei Schoko Croissants und einen Café con Leché für mich und einen obligatorischen Stempel für die Credencial.

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Die zwei Brötchen stopfen ganz schön, also stopfe ich meine dicken Füße wieder in die Schuhe, sattele meinen immer noch viel zu schweren Rucksack auf und mich mache mich mit vollem Bauch wieder auf den Weg Richtung 8 Km entfernten Palas de Rei .

Die folgende Etappe ist Verhältnis mäßig angenehm zu laufen. Wenig Asphaltierte Straßen und viel Sandige/Erdige Pfade, zwar mit viel Schotter und Kies dazwischen, jedoch eine deutlich angenehmere Resonanz für meine Fuß Sohlen.  Auch die Umgebung kann sich wieder einmal sehen lassen, der Abschnitt ist „gepflastert“ mit riesigen, wunderschön Baby blau farbenen Blumenbüscheln, die in den Weg hinein ragen.

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Leider habe ich nicht ein Foto, auf meinem Weg durch Palas de Rei gemacht, zumal dies ein recht großer Ort (keine Stadt) ist, mit einigen Hotels, vielen Alberguen, Fußball & Tennis Plätzen, 1 Km entfernt eine Apotheke & einen Supermarkt, eine kleine Bus Station und einen riesigen grünen Park mit traumhaften Möglichkeiten an schönen Holzbänken zu sitzen und vorhandenen Feuerstationen zu grillen ist.

Tagesziel war jedoch das weiterhin knapp 14 Km entfernte Melide.

Ich verlasse gerade das Ende des Ortes, nachdem ich meinen Compeed Vorrat an der Örtlichen Apotheke noch einmal aufgestockt habe und sehe an mir vorbeilaufen, als ich gerade noch meinen Rucksack zurecht zurre, meine alte Bekannte Zam aus Kanada.!  Meinen ersten Nachruf bekommt sie nicht mit, so laufe ich ihr ein paar Meter hinterher und mache, unmittelbar hinter ihr stehend schon fast kindlich quiekende Geräusche, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. So albern es auch ist, zumindest hat es nicht sein Ziel verfehlt, so das sie sich umdreht und nach wirklich kurzem Smalltalk laufen wir zusammen weiter. Zam ist halt immer unter Strom. Eine Power Frau, die bereits über 750 Km hinter sich hat, da sie in Saint Jean Pied de Port , also am Weges Ursprung gestartet ist, Wahnsinn ! Was sie wohl unverwechselbar macht, ist ihre fast schon Maskulin wirkende, schrille Lache.. und sie lacht viel, eine echte Frohnatur, wohl nicht zuletzt das sie im Leben bereits einiges durch gemacht hat und jetzt mit voller Power zurück schlägt ! Oftmals gebe ich ihr kleine Spitzen, weil ich immer wieder einbaue, das sie ja aus Brasilien komme, da sie gerade auch durch die ordentlichen 5 Wochen Spanien Sonne, sehr gut gebräunt aus solche auszumachen wäre.. Dies nimmt sie mit Humor und mir zugute auch als Kompliment an..

Auf dem langen Waldstück nach San Xulián findet man in 50 Meter Abständen, solch seltsame Gebilde am Wegesrand. Die genaue Funktion, sofern überhaupt vorhanden, ist mir bis heute unbekannt. Zumindest in meiner Fantasie stelle ich mir interessante Licht Spiele (spiegelungen) vor, je nach dem wie die Sonne, gerade in der Morgen/Abend Dämmerung, durch die Baumdecke bricht und die schräg angeordneten Spiegel, eingelassen in diesem seltsamen Metallgehäuse trifft.

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Auf der Höhe des kleinen Verschlages Casanova, entscheiden wir gemeinsam, uns auf ein kaltes Getränk und neu Befüllung unserer Wasser Vorräte an einem kleinen, Biergarten ähnlichen Café zu pausieren.

Ich genehmige mir meine Colá mit Eis, Zam natürlich wieder ein kühles Bier 🙂   Und natürlich einen Stempel für die Credencial.

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Die letzten 9,6 Km nach Melide scheinen sich ewig in die Länge zu ziehen. Die Anwesenheit der Natur begrenzt sich meistens auf ein Minimum, dafür vertretend kämpfen weit auseinander gelegte Stein Platten und spitz steinige Schotter Pfade gegen meine so wie so schon nur noch auf Reserve laufenden Füße und Landschaften, die mit viel Hauptstraße und Industrie um den ersten Platz der Unbedeutsamkeit  antreten.

Endlich in Melide einmarschiert, werden wir wieder einmal mit den dunkel grauen Wolken überzogen, die von den „100“ Pilgern mitgezogen wird. Keine freien Alberguen, selbst mit Hotels / Motels und Pensionen haben wir vorerst kein Glück und Melide ist definitiv keine kleine Stadt !

Erst ca. 5 geh Minuten vor Ortsausgang, in einer schicken kleinen eck-Pension werden für fündig und bekommen tatsächlich noch ein verhältnismäßig bezahlbares DZ zugeteilt, erfreulicherweise wieder mit eigener Dusche (die noch ein paar Überraschungen auf Lager hat) .   Auf dem Zimmer richten wir uns schon einmal grob ein und während Zam bereits die „Erlebnis Dusche“ unter Beschlag nimmt, Regel ich die Bürokratischen Dinge bezüglich des Zimmers mit der netten Bardame am Tresen. 

Nachdem ich ebenfalls Bekanntschaft mit der Dusche schließen durfte, hat diese nach Gebrauch nicht nur keine Schiebetüre, sondern auch keine Duschkopf Halterung mehr  😀 , das meinte ich mit „Erlebnis Dusche“  .  Hehe !                                                                              Meinen Füßen ist definitiv nach Bettruhe, jedoch haben wir den letzten Bissen beide jeweils in den frühen Morgenstunden zu uns genommen, so dass wir und wieder etwas Stadtfein machen und eines der zahlreichen Restaurants vor Ort aufsuchen. Eigentlich hatte ich bereits beim Durchmarsch Melide´s eine Pizzeria in den Kopf gesetzt, ein Restaurant mit dieser im Angebot suchten wir folglich auch auf, nur leider habe ich wieder die Siesta verträumt, die in Spanien erst um 19:00 endet. Glücklicherweise konnte der Laden aber mit einem Plan B, in Form von selbst gemachten Hamburgern aufwarten, die nicht nur durch ihre Größe, zudem auch mit ihrem deftig intensiven Geschmack überzeugen konnten. Vorerst gab es für mich natürlich wieder einen schmackhaften Café con Leché, gefolgt von einer kalte Colá light zum Burger.  Zam speiste identisch, außer das ihr Burger aus irgendwelchen Gründen, die höchst wahrscheinlich nur die Illuminaten beantworten können, mit anderem Burger Brot bestückt war.

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Vollkommen gesättigt, halten wir auf dem Rückweg in unsere Pension noch kurz in einer Art Kiosk, in dem ich mir noch Wasser für den Rest des Tages und für den morgigen kaufe und Zam greift sich eine hochwertige 4,50€ Flasche Wein, die sie noch mit mir entleeren möchte, wo gegen ich anhand der Gesamt Situation nicht das geringste einzuwenden habe. Während wir uns in aller Bequemlichkeit die Flasche auf dem Zimmer zu Leibe führen, nehmen wir die zweite, die wir in der Pension eigenen Bar erwerben, außerhalb auf der Terrasse zu uns. Auch wenn ich absolut kein Wein Typ bin und auch sonst während meines Spanien Aufenthalten nicht im Ansatz über so eine Art Abend  nachgedacht habe, fühle ich mich äußerst Wohl und schätze Zam´s Anwesenheit und unsere Tiefgründigen Gespräche sehr. Ich bin froh das sich der   für mich, besonders physisch gesehen, sehr anstrengende und schmerzhafte Tag in diese Richtung entwickelt hat und wir gemeinsam die bereits verstrichene Zeit auf sehr intensiver Ebene haben Revue passieren lassen und uns darüber austauschen konnten.

Ein Tag, den ich gerne als ein Potpourri  der Gefühle bezeichnen würde, geht zu Ende. Der Wein lässt mich zügig und fest schlafen… Wie ein Baby.      Gute Nacht !

 

Eingebung des Tages:   Auch einmal gegen seine Gewohnheiten, oder gar Paradigmen zu agieren, ist kein Zeichen von Schwäche oder Disziplinlosigkeit, sondern kann sich gar äußerst positiv auf die Entwicklung des Mindset´s und folglich auf die Persönlichkeit auswirken.                                                                                                                                Danke Tony Robbins  🙂 

2 Gedanken zu „Tag #10 _ San Silvestre (Barbadelo) – Melide“

  1. Die üblen Füße, aber Du meisterst es bravourös ?Kompliment auch an Zam,was eine Strecke und starke Frau?Ihr seid einfach toll?? Lg Bernie.

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