Tag #11 Boente – Arzúa

Heute wird es wieder Text lastig, u.a. mangels Bildmaterial aus Gründen, die bereits am Vortag zum tragen kamen. Dennoch viel Spaß den lese interessierten 😉  Die Reise geht weiter …

Am Morgen lassen wir und durch nichts aus der Ruhe bringen, weder von meinem Handy, welches um 5:30 inkl. vier maliger Schlummerfunktion im 8 Minuten Takt klingelt, noch von Zam´s Telefon um 6:00 und einer Snooze Funktion, die gefühlt eine Stunde, alle 5-6 Minuten aufheult.                                                                                         Ich würde nicht sagen, das es an dem ausgelassenen Vorabend lag, eher aus viel banaleren Gründen, das jedesmal wenn das/ein Handy klingelt, einer im müden Augenwinkel lunkert, das der andere auch bloß keine zu großen Anstalten macht, aus dem Bett zu kommen, um das als gelungene Ausrede zu nutzen, sich selbst noch einmal um zu drehen.                                                                                                                          Dieses Spiel zieht sich noch bis für unsere Verhältnisse unglaubliche 7:15, bis Zam (höchstwahrscheinlich vom schlechten Gewissen zerfressen..Hehe) den ersten Schritt wagt und sich aus dem Bett bequemt, vorauf ich natürlich wenn auch nur minder motiviert einsteige und beim auf die Bettkante setzen fest stelle, als meine Füße den Boden berühren, das ich am besten den ganzen Tag liegen geblieben wäre.

Zumindest bei einem geplant aktiven Lauftag, haben meine Füße auf dem bislang zurückgelegten Camino nicht so geweint und aufgeschrieen wie heute.! Nicht nur das normalen Schwellungen, verursacht durch die unzähligen Blasen sich heute wahnsinnig gereizt und wund anfühlen, zudem ist der gesamte Fuß bis über das Gelenk Angeschwollen, wenn auch nicht beunruhigend voluminös, aber immerhin so das ich reichlich Schwierigkeiten habe, in meine Schuhe zu kommen.

Während Zam im Bad ist, habe ich heute enorm schwer mit mir zu kämpfen, da mein Kopf mit allen Mitteln versucht, mich vom weiter laufen in diesem physischen Stadium ab zu halten. Ich bin wirklich einen µ (mü) davon entfernt, Zam die Nachricht meiner heutigen Stagnation mit zu teilen, doch unerklärlich wie viele Phänomene auf dieser Reise nunmal sind, habe ich mich noch während des ganzen denk Prozesses bereits vollständig angezogen und habe meinem Kopf somit unbewusst meine Antwort übermittelt.

Ich hänge noch einmal ein älteres Bild an, welches die interne Konfrontation in meinem Kopf denke ich gut wieder gibt, da ich in oben beschriebenen Moment anscheinend unterbewusst selbst daran dachte, als ich dieses bereits zuvor in einem Facebook Post als Metapher benutzt habe.IMG_1361

Wir verlassen also gemeinsam das Motel und dürfen tolle Erinnerungen mitnehmen, die das Puzzel des Camino´s wieder um ein weiteres wundervolles Teil ergänzen. Ich merke jedoch mit den ersten Schritten über die grob gepflasterte Straße, das ich schon bald vorzeitigen Abschied auf Zeit von meiner tollen Begleitung nehmen muss, da ich das Tempo, welches meine forsche Zam an den Tag legt, wenn auch stark zu meinen Gunsten reduziert, nicht annähernd mithalten kann.

Wir brauchen gar nicht darüber reden, sondern verstehen uns Wortlos, nur durch Verständnis der Emotionen des anderen und so lasse ich mich in meinem humpelnden Gang immer mehr nach hinten fallen, mit letzter Anmerkung  Zam´s, wie würden uns eh bei der nächsten Bar auf einen Café wieder sehen und wenn ich eines gelernt habe, in den vielen Unterrichts Stunden, welche der Camino mir erteilt hat ist, das eine Verabschiedung auf diesem Weg nur ein saloppes Umgangswort für „bis später“ ist.

Als der Abstand die Größe des Sicht Verlustes zu Zam erreicht hat, schaffe ich mir leichte Abhilfe, indem ich wieder zu meinen Kopfhörern + Audible greife und mir durch meine eingeschränkte lauf Geschwindigkeit die Zeit nehme, der gesamten Umgebung wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, auch da zumindest gerade, durch unser spätes los laufen viele der „100“ Pilger bereits vor mir sind.

100%tig ist auch Zam bei diesen zwei liebeshungrigen Kerlchen auf eine streichel Einheit stehen geblieben 😉IMG_1484

Nach etwa 7 Km durch teils wunderschöne Eukalyptus Landschaften in Boente angekommen, sehe ich in nicht allzu weiter Ferne an einer Bar mit großem Terrassen Bereich, welcher durch vielflächige Schirm Abdeckung angenehm im Schatten liegt, nur wenig verwundert Zam sitzen, die asbald aufsteht und mit schwingenden Bein Bewegungen versucht zu signalisieren, dass auch sie mich entdeckt hat 🙂

Auch mir ist nach einem guten Frühstück mit Focus auf meinen heiß geliebten Café con Leché , so dass ich mir dies, inkl. übergroßem Pilgerstempel in der Bar besorge und mich nach draußen zu Zam geselle.

Es gibt.. Café , ein Viertel mächtigem Käse-Schinken Omelett und 2 großen Scheiben getoastetem Brot mit Butter.IMG_1485

Das Frühstück schmeckt wirklich lecker, ist aber definitiv zu viel bzw. zu Mächtig, so dass ich erst einmal mit überfülltem „Bläh“ Bauch da sitze und meine Hose lockern muss.

Mit fast unveränderten Schmerzen in den Füßen, jedoch durch das Einlaufen abgeschwächt, ist es mir möglich, vorerst mit Zam weiter zu laufen, sogar annähernd im selben Tempo. Ihr heutiges Etappen Ziel ist Santa Irene, welches bei bestem Willen für mich außer Frage steht. Ich denke gut selbst eingeschätzt wäre meinerseits Arzúa realistisch, vorausgesetzt wäre natürlich ein freies Bett.

Noch bereits vor erreichen des knapp 6,7 Km entfernten Ribadiso´s , verlieren wir und wieder komplett aus den Augen. Eine kleine Brücke mit schönem, ruhigem Bachverlauf führt in die kleine Ortschaft, die außer mit schönem Baustile, noch mit drei Herbergen und diversen Eß Möglichkeiten aufwartet.

Ich setze meine Reise jedoch ohne Verbleib fort, da mein angesetztes Tagesziel „nur“ noch knappe 2,6 Km entfernt liegt und sich dort zudem Möglichkeiten zum Einkaufen, Apotheken, Restaurants und zur Not auch öffentliche Verkehrsmittel bieten.

Mit mittlerweile wieder völlig überreizten Füßen komme ich im schönen und ziemlich modernen Arzúa an. Passend zu meiner Misere muss ich leider fest stellen, das es anscheinend in der ganzen Stadt, die alles andere als klein ist und alleine laut meines schlauen Buches schon 11 Herbergen und unzählige Pensionen und Hotels umfasst, nicht ein freies Bett mehr gibt.!

Als ich in einer Albergue, der letzten bereits nahe am Ortsausgang anfrage, bekomme ich vorerst ebenfalls eine Absage. Ich falle fast schon in eine niedergeschlagene Stimmung, auch was meine Stimme angeht, um der netten Herbergsmutter meine Misere und deren beigefügte physischen Einschränkung zu verdeutlichen. Als ich ihr in dieser Ausführung noch verständlich mache, das ich bereits in allen Herbergen und Hotels vorständig war, jedoch ohne Erfolg, bittet sie mich mit eingefallenem Gesicht, kurz zu warten und schaut noch einmal eingängig nach. Und… Tatsächlich bekomme ich noch einen freien Schlafplatz auf der obersten Etage eines Hochbettes, welches ich ohne zu überlegen Dankbar annehme.!

Ich lade Meinen Rucksack ab, richte schon einmal grob meinen Schlafplatz ein und nutze erstmalig die Gelegenheit einer Waschmaschine, in der Hoffnung meine Kleidung einmal nicht nur von dem ganzen Sand und Staub zu befreien, sondern im optimal Fall auch noch vom Schweiß Geruch, dies war mir bislang bei der fast täglichen Handwäsche nicht gelungen und wäre doch echt mal ein schönen Benefit.  (hat leider nicht annähernd funktioniert, denke mal das sie nicht einmal Weichspüler, richtiges Waschpulver oder der gleichen benutzt hat) In der Zeit, die die Maschine braucht, besorge ich nach einer erfrischenden Dusche in meiner ersten gemischten Dusche (für Männer & Frauen zugleich) ein paar Dinge aus dem naheliegenden Supermarkt und kann direkt im Anschluss meine Wäsche auf der Leine, die vor dem Fenster an die Fassade gespannt ist aufhängen. Bei der aktuellen Temperatur und der fast perfekten Sonneneinstrahlung sind die Klamotten im Handumdrehen trocken !

Wieder auf dem Zimmer mache ich es mir den Umständen möglich,  auf dem Bett gemütlich und versorge penibel und ausführlich meine Füße. Das übliche Pilger Prozedere, Blasen aufstechen, austrocknen lassen und Tapen, alte Blasen kontrollieren und neu versorgen, Füße eincremen/einmassieren usw…  Während dessen freunde ich mich mit meinem „unter“ Etagen Nachbarn, einem jungen Österreicher an und bald landen wir in einer langandauernden Konversation u.a. über Erfahrungen während des Weges, Beweggründe etc..

Diese setzen wir bei einem Späteren Abendessen in einer Pizzeria, die direkt an der Albergue anschließt fort, diesmal taktisch gewählt um Punkt 19:00 😉

Die gute Nachricht, ich habe meine Pizza bekommen. Die wohl etwas enttäuschendere ist wohl, das sie unsere Pizza aus der im Raum stehenden Tiefkühltruhe entnommen hat und diese wie auch in der guten Heimat, nur schnell in den vorgeheizten Backofen geworfen hat. Erst war ich etwas verwundert, wie hierbei auch noch so eine preis zu Stande kommt, hinterher habe ich nur noch darüber gelacht, und wollte Spaßes halber vor den Augen der Kellnerin der Tiefkühltruhe mein Trinkgeld auf den Schiebedeckel legen 🙂

Das Fazit, meine Pizza Salami pikante hat ganz gut geschmeckt und auch ordentlich satt gemacht, dabei hatte ich zwei Colá Zeros und als „unbestellten“ gratis Nachtisch gab es noch jeweils ein Stück des traditionellen Pilger Nuss Kuchens, ziemlich süß, aber sehr lecker wie ich finde.

Die Pizza war lustig, jedoch kein Foto Wert, anders als der leckere Kucken.. Dabei habe ich mir natürlich standartisiert einen Café con Leché bestellt 😉IMG_1490

Mit kleinem Happy End geht dieser sehr durchwachsene Tag zu Ende. Bei fast schon schwindend  geringer Hoffnung warte ich ab, was meine Füße mir Morgen früh zu erzählen haben. Für´s erste gehts jetzt auf die Matratze, meiner „Maschine“ etwas Ruhe und Regeneration zu gönnen..  Gute Nacht !

 

 

5 Gedanken zu „Tag #11 Boente – Arzúa“

  1. Wenn ich könnte würde ich Dir meine Füße für den Rest des Weges leihen ?. Dein Blog ist wirklich sehr gelungen und macht viel Freude ihn zu lesen. Liebe Grüße Bernie✌?P.S Hoffentlich triffst Du Zam wieder?

    1. Eine Tagesetappe kommt diese Tage noch online (vor dort aus waren es noch zwei Tage nach Santiago), da erläutere ich später auch , warum ich vorerst nicht weiter geschrieben habe und meinen Plan leider nicht vollenst abschließen konnte .
      Hoffe die Erklärung reicht dir vorerst 🙂
      Lg Sascha

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