Tag #12 Arzúa – Santiago de Compostella (ein frühzeitiges Ende)

Zusammen mit den Fetzen, die einst Füße waren und einer Hand voll  Pilger meiner Unterkunft, wobei in meinem Status auch irgendwie alleine, breche ich gegen 7:00 auf in Richtung „na man wird schon sehen“ . Zu meinem Erstaunen ist meine neu errungene Bekanntschaft vom Vorabend, der Junge Österreicher mit dem ich die unfassbar deliciouse Tiefkühlpizza verspeisen durfte (Achtung, Sarkasmus) bereit vor allen anderen gestarten. Wobei ich stark davon ausgehe, das selbst er (bezogen auf seine körperlichen Voraussetzungen) mich, nach nur wenigen Metern abgehangen hätte.

Als „Lone Wolf“ krame ich meine Kopfhörer aus der großen Bein Tasche und lasse mich wieder einmal von Hape Kerkeling begleiten. Das Komplette Hörbuch (Ich bin dann mal weg) kann man sich übrigens kostenlos im Probemonat von Audible runter laden .  

 

Die ersten Meter, immer noch Arzúa , sind sind im Vergleich gesetzt Landschaftlich eher unspektakulär, besonders wenn gefühlt mehr „Touristen Pilger“ an einem vorbei rennen als Vögel um einen kreisen.

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Zwar nicht spektakulär, aber durchaus einen genaueren Blick Wert (zumindest in meinen Augen) hingegen, ist eine Art „Verewigungs Plattform“ für Kreative Köpfe, genannt :                                            The Wall of Wisdom    (Die Wand der Weisheit)                                      An dieser hängen unzählige, eingeschweißte Karten/Blätter in A4 Format, welche mit den unterschiedlichsten Sprüchen, Mottos und „Weisheiten“ gespickt sind, alle verfasst in englisch und spanisch. Wobei ich diese eher als spirituelle Glückskeks Sprüche bezeichnen würde, die auch von halbwegs kreativen Werbetextern hätten seien können.

The Wall of Wisdomimg_1495 img_1496img_1497

Der weitere Weg führt mich über eine recht neu wirkende, lang gezogene Brücke. Diese führt über eine mächtig ausgehobene Schlucht/Graben, welche den Eindruck macht für einen Fluss konzipiert worden zu sein, oder zumindest mal hat einen durchführen lassen. Zusammen mit diesem wieder einmal traumhaft Wolken losem Himmel und strahlendem Sonnenschein, ein tolles Panorama, was trotz Baustellen Charakter den ein oder anderen Schnappschuss wert ist.

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Gegen 8:30 genehmige ich mir in dem kleinen Ort Calzada mein Frühstück, in Form eines verdammt süßen, aber leckeren Schoko Brötchens, einem großen frisch gepressten O-Saft und (wie sollte es auch anders sein) einem Café con Leché.img_1503

Als ich gerade in Gedanken schwebend an den letzten Schlücken meines Cafés nippe, höre ich von der Wegesseite eine weibliche Stimme in mittlerer Lautstärke meinen Namen rufen.                                   Ich glaub es nicht, wir haben uns seit Santa Catalina de Somoza, kurz vor meinem Aufstieg zum Cruz Ferro nicht mehr gesehen. Eine nette, sehr gesprächige Frau mittleren alters, Wohnhaft in der Eifel. (Leider habe ich ihren Namen nicht mehr auf dem Schirm)                             Sie ist am Morgen meines Aufstieges deutlich später los gelaufen, da sie in der Annahme war, man könne das Eisenkreuz nicht im Sonnenaufgang festhalten, bzw. die Sonne würde nicht richtig sichtbar durch den dichten tannen Wuchs dort oben. Als ich sie durch meine Aufnahmen vom eindeutigen Gegenteil überzeugte, kam in ihr ein hauch von Ärger und Enttäuschung auf, was aber von entzücken schnell wieder verdrängt wurde.  Hier nochmal eine kleine, visuelle Erinnerung, weil´s so schön war ! Cruz Ferrocruz

Natürlich haben wir uns viel zu erzählen, dies tuen wir  nach dem Entschluss, vorerst zusammen weiter zu laufen.                                          Nach einer knappen Stunde Fußmarsch kommen wir mitten im tiefsten Hinterland, in einem kleinen Ort namens O Outeiro an einem großen alten Steinhaus, welches jedoch ziemlich modern gehalten wird vorbei. Dieses birgt gleich zwei Sehenswürdigkeiten, zum einen eine etwa Bauchnabel hohe, lang gezogene Mauer, auf denen unzählige leere Flaschen, versehen mit den diversifiziertesten Sprüchen und Danksagungen anderer Pilger stehen. Zum anderer ein schickes Bistro/Bar, welches und quasi zum Kaffee trinken forciert.

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Als wir und weiter auf den Weg machen, ist unmittelbar hinter der nächsten Häuserecke der nächste Hingucker. Ein Haus, in dem man professionelle schwarz-weis Fotos machen lassen kann, die anschließend zur Verewigung au die Haus eigenen Fassade gehangen werden. Ob und was dies kostet und ob mann die Bilder auch alternativ mitnehmen kann (wer diese halt schleppen mag), habe ich nicht in Erfahrung gebracht, jedoch fand ich die Idee dahinter ganz nett.

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Weiter geht es durch den dichten und traumhaft schönen, schon fast verwunschen wirkenden Eukalyptus Wald durch O Pino.

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Neben Attraktionen wie unzähligen „100Touristen Pilgern, die mit ihrem 1,5 Kg „Hello Kitty“ Turnbeuteln zu kämpfen hatten und olympisch fahrenden Rad Pilgern, gab es sogar in diesem wundervollen Waldabschnitt echte Kunst zu bestaunen (Achtung, Sarkasmus) . Erschaffen von Öko Pilgern und benannt als „Müllhalde de Peregrinoimg_1513

Nur wenige Meter nach verlassen dieser Wunderschönen Wald Passage ist der Moment dann leider gekommen, wo sich unsere Wege endgültig trennen. Mir war diese Tatsache vollkommen bewusst, jedoch wollte ich den Moment und ihre Erwartungen mit dem Wissen und zu diesem Zeitpunkt nicht desillusionieren und unnötig traurig stimmen, also entschied ich mich, inne zu halten und sie nicht einzuweihen.! Mit den üblichen Worten „bis in Santiago“ und „Buen Camino“  machten wie die Sache klar. Alles Gute, auf deinem weiteren Wege !

Jeder weitere Schritt, den ich fortan alleine tat, machte mich ein Stück weit präsenter und mir dämmerte mehr und mehr, hier ist Schluss. Ich wusste zwar das dieser Moment an der Türe steht und kratzt, jedoch schiebt man dieses Gefühl, das mit dem Wissen einher geht, gerne einmal vor sich her oder verdrängt es gar.                         Aber Fakt ist, meine Füße können nicht mehr, laufen nur noch auf Notreserve. Der Punkt ist erreicht, an dem auch mein Wille nicht mehr ausreicht, um den Schmerz unterbewusst du Tapen und betäuben.

Ohne zu wissen, wie weit es zum nächsten Ort oder der nächsten Bar ist, marschiere  ich einfach los,  nunmehr mit wiederkehrenden Tränen, die im Augenwinkel herunter kullern, da ich auch nicht mehr mit positiven Ansporn aus meinem Unterbewusstsein getrieben werde und mich eher noch in meine Schmerzen hinein steigere, der „worst case“ .

In einer größeren Hotelanlage, kurz vor Salceda angekommen, bietet sich eine Empfangsdame Hilfsbereit und ordert mir ein Taxi mit der destionation Santiago. Dies würde mich in knapp 20 Minuten abholen, da der Weg hier hin sehr ländlich und zudem weiter ab von der nächst größeren Stadt, wie eben Santiago liegt. Mit einer eiskalten Cola light, die freundlicherweise aufs Haus ging, setzte ich mich auf die riesige Terrasse des Hotels und nutzte die verbleibende Zeit, um mir über „booking.com“ ein Hotel zu reservieren, was auch recht schnell, zuverlässig und zu einem annehmbaren Preis klappte, mit dem einzigen Defizit, das das Hotel eher am anderen Teil Santiago´s bezüglich des Busbahnhofes liegt, von dem aus ich später meine Heimreise antrete.

Während der Taxifahrt blickt ich nur trüb und enttäuscht aus dem Fenster, teilweise vorbei fahrend an anderen Pilgern. Nach ca 20 Minuten erreichten wir meine Bleibe für die nächsten zwei Tage, das schicke 2 Sterne Hotel „Windsor“, welches zwar etwas außerhalb, dennoch sehr Zentral zur Stadt gelegen ist.

Hier ein paar Einblicke, in das Hotel bzw. mein Zimmer. Ganz nach dem Motto „klein aber fein“img_1526 img_1524 img_1525 img_1527 img_1519

Als erstes entledigte ich mich grob meines Rucksackes und meiner Kleidung, und genehmigte mir eine schöne Dusche, in der es die reinste Qual war, barfuß zu stehen.                                                                            Anschließend breitete ich ein großes Handtuch auf dem Bett aus und kümmerte mit ausgiebig um meine Füße, die ich anschließend noch in Bepanthol Salbe „einlegte“.

Für den ein oder anderen mögen folgene Bilder evtl. unangemessen sein, jedoch möchte ich sie an dieser Stelle einmal anhängen, damit man sich ein kleines Bild vom Status meiner Füße machen kann. Ich hoffe das geht in Ordnung !?  Fertig gegessen ???9973f5bd-aad1-4758-b699-ab44dd0c6568 daac1119-d434-4a87-9114-4b6463c4c282

Nach der Fußpflege und einem gut tuhendem Telefonat mit der Familie, um diese natürlich auch über den neuesten Stand der Dinge zu bringen, ließ ich mich auf die Matratze fallen  und genehmigte mich ein paar Stunden Schlaf.

Am Späten Abend rappelte ich mich noch einmal zusammen und ging im 2 Häuser weiter gelegenen Supermarkt ein paar Getränke und Snacks einkaufen, um etwas unabhängiger von der Hotel Verpflegung zu sein. Wieder im Zimmer breitete ich mich mit etwas zu Essen, Saft, Schüttelkaffee und meinem Laptop am Schreibtisch aus und ergänzte lies die nächsten 2-3 Stunden in meinem Blog verschwinden.

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Dann war es, ich muss schon fast sagen, „endlich“ so weit, der Tag der Abreise. Um 10:00 holte mich das Taxi ab, welches ich mir noch vor meinem Frühstück im Hotel rufen lies. Während der Fahrt schaute ich mich in den Straßen Santiagos noch einmal ganz genau um, sammelte und genoss viele verschiedene Eindrücke und meine Laune hob sich drastisch, da ich noch einmal an alles schöne während meiner Reise erinnert wurde. Auch die Sonne schien wieder einmal traumhaft durch den Wolkenlosen Himmel, alles passt.!

Am großen Busbahnhof musste ich dann noch einmal eine knappe Stunde warten, während ich erfreulicher weise Bekanntschaft mit einer netten Deutschen Frau schließen durfte, die mir ebenfalls in meinem Bus Gesellschaft leistet  und nach dem mir nahe liegenden Duisburg befördert wird.

Der erste Bus, der und zum Verteiler Bahnhof bringen würde, war ein Traum. Modern, geräumig, klimatisiert, freies W-lan und vor allem sauber !img_1528

Als uns allerdings angekommen in Suco am Bahnhof der weiter führende Bus zugeteilt wurde, mit dem wir fast geschlagene 30 Stunden unterwegs seien würden zugeteilt wurde, verließ mich jegliche Hoffnung auf gutes in der Menschheit.

Exakt der selbe, klebrig-schmierige, ohne Fenster und unklimatisierte, einengende uralt Bus wie bereits auf meiner Hinreise.! Und als ob das nicht genug sei, exakt die gleichen beiden, mürrischen, unfreundlichen und ausschließlich Portugisisch sprechenden Busfahrer, wie auf der Hinfahrt.!  Hell Jeah !

Ich freute mich jedoch nur auf ein paar Stunden Schlaf mit meinem ultra günstigen Kunststoff Nackenhörnchen aus einem Rasthof für 20,-€. In ein paar Schnappschüssen aus dem Fenster habe ich die erstem Kilometer festgehalten und wie fertig ich war, nichts besonderes, aber ich hatte sie noch auf dem Handy.

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Hier ist der Moment gekommen, mich mit der aktiven Berichterstattung meiner Reise zu verabschieden, denn hier endet sie.

Ich möchte mich einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die bis hier meine Geschichte und deren beinhaltenden Erlebnisse  mit Interesse verfolgt haben. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, all dies fest zu halten, für euch, aber auch genau so für mich selbst.!  Es war ein Abenteuer, welches ich nie zuvor erlebt habe, mit grandiosen Erlebnissen und Begegnungen, an die ich mich hoffentlich noch lange erinnern werde…. Und dies wird nicht mein letzter Camino gewesen sein 😉

Vielen Dank Freunde und weiterhin alles Gute,   euer Sascha

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Ps. Natürlich ist dies nicht das Ende des Blogs ! Fortan werde ich kontinuierlich den Inhalt ergänzen, aktualisieren und erweitern. Darüber hinaus würde ich mich über rege Beteiligung von euch in den Kommentaren freuen, ebenso wie Erlebnisse, Fotos etc. die ihr gerne beitragen könnt, alternativ auch gerne auf meiner Facebook Seite  ► Klick  ◄  fühlt euch frei.!                                                                            Also…Man liest sich  😉

 

 

Ein Gedanke zu „Tag #12 Arzúa – Santiago de Compostella (ein frühzeitiges Ende)“

  1. Der ganze Blog hat sich einfach sehr schön lesen lassen. Die Traumhaften Bilder haben ebenso zum verweilen auf Deiner Seite beigetragen ?. Und nicht Traurig sein, der nächste Camino kommt ganz bestimmt?? vor allem mit besseren Füßen mein Freund?.Lg Bernd

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